Berufsunfähigkeit – Mythen und Wahrheit

Biometrie Versicherungen

Was ist eigentlich Berufsunfähigkeit?
Und was Erwerbsunfähigkeit?
Arbeitsunfähigkeit?

Puh.. Ist das alles das gleiche?

Wenn ich schon so frage, dann wahrscheinlich nicht.

Lass uns das mal wieder aufdröseln.
Übrigens, die Dienstunfähigkeit für Beamte lasse ich heute weg, zu dem Beamten-Thema wird es einen eigenen Blogpost geben.

Arbeitsunfähigkeit

ist einfach die Tatsache, dass Du aus gesundheitlichen Gründen momentan nicht arbeitsfähig bist. Krankenschein! Kennst Du bestimmt. Hatte eigentlich jeder schon mal. Ist ja auch nicht schlimm oder existenzbedrohend. Erstmal.
6 Wochen lang bekommst Du Deine ganz normale Lohnfortzahlung von Deinem Arbeitgeber.
6 Wochen ist schon ne ganze Menge. Und die 6-Wochen-Frist gilt auch nur für eine einzelne Krankheit / Diagnose.
Was passiert nach diesen 6 Wochen?

Krankengeld

Da gibt es dann das sogenannte Krankengeld. Das bekommst Du von Deiner Krankenkasse. Aber nur auf Antrag.
Den bekommst Du aber automatisch zugeschickt, da Dein Arbeitgeber deine Krankenkasse darüber informiert, dass Du bald krankengeldberechtigt bist,
Allerdings entspricht die Höhe des Krankengeldes nicht Deinem Netto-Einkommen. Es sind so ca. 70-75% davon.

Bitte stell Dir jetzt mal kurz die Frage, ob Du damit alle Deine Kosten decken könntest und ob Du damit LEBEN könntest. LEBEN, nicht existieren.

Wenn nein, kontaktier bitte mich oder einen fairen Berater Deines Vertrauens. Dafür gibt’s Lösungen.

Das Krankengeld wird maximal 78 Wochen gezahlt. Solltest Du nach diesen 78 Wochen nicht wieder gesund sein, was dann?

Was passiert nach diesen 78 Wochen?

Dann wirst Du „ausgesteuert“ und hast folgende Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: Du beantragst Arbeitslosengeld I. Dann musst Du Dich aber wieder dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen.
Das geht nicht? Auch nicht „im Rahmen Deiner Möglichkeiten“?

Dann musst Du Grundsicherung bzw. Arbeitslosengeld II beantragen, im Volksmund auch Hartz IV genannt.

Quelle: https://www.sovd-sh.de/2018/06/21/krankengeld-laeuft-aus-wie-verhalte-ich-mich-richtig/

Bitte denke daran, diese Leistungen rechtzeitig zu beantragen. Die Prüfung dieser Anträge kann Wochen dauern! Also am besten 6 Wochen vor Ende der Frist schauen, was für Dich möglich ist bzw. was Du zu tun hast.

Erwerbsminderung

Alternativ kannst und solltest Du prüfen, ob Du dauerhaft „erwerbsgemindert“ bist und Anspruch auf eine Rente wegen Erwerbsminderung hast.

Diese würdest Du von der GRV erhalten. Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?

Bedingungen für Erwerbsminderungsrente

Guck mal hier, da steht ganz genau:

https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbvi/43.html

Ich erläutere das mal in einfacheren Worten.

  • Du musst in den letzten 5 Jahren 36 Monate lang Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.
  • Die Wartezeit von 5 Jahren muss erfüllt sein, heißt Du musst 5 Jahre lang in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert gewesen sein.
  • Du bist teilweise erwerbsgemindert, wenn Du „wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande bist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens sechs Stunden täglich erwerbstätig zu sein.“
  • Du bist voll erwerbsgemindert, wenn Du „wegen Krankheit oder Behinderung auf nicht absehbare Zeit außerstande bist, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens drei Stunden täglich erwerbstätig zu sein.“

Das ganze wird natürlich durch Amtsärzte und Gutachter geprüft und diese Verfahren können sich gewaltig in die Länge ziehen. In dieser Zeit hast Du natürlich keine Einkünfte, außer evtl. ALG 1 oder 2.
Deswegen wiederum die eindringliche Bitte an Dich: Beantrage es rechtzeitig!

Ich möchte aber nochmal auf die exakte Formulierung der Bedingungen für die Rente wegen Erwerbsminderung eingehen. Und da insbesondere auf die Passage „außerstande unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes mindestens 3 bzw. 6 Stunden erwerbstätig zu sein.“

Das sind sehr hohe Hürden, die Du bewältigen musst, bzw. Du musst wirklich sehr krank sein, um diese Rente zu bekommen.

Natürlich ist es gut, dass es etwas sowas überhaupt gibt. Viele Staaten haben dieses Auffangnetz gar nicht.

Wenn ich mir dagegen die Durchschnittshöhe der Rente wegen Erwerbsminderung anschaue, frage ich mich, wie man davon leben soll. Von würdevoll möchte ich gar nicht sprechen.

Höhe der Rente wegen Erwerbsminderung

Die durchschnittliche Höhe der Rente wegen voller Erwerbsminderung beträgt zwischen 700 und 800 € monatlich. Die Grenze für Hinzuverdienste sind 6.300 € im Jahr, was einem 450 € Job entspricht.
Das macht ja aber auch Sinn, da Du ja aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten gehen kannst. Und zwar nicht nur in Deinem zuletzt ausgeübten Beruf. In jedem Beruf.

Sprachlos? Ja, das war ich auch, als ich das gelesen habe.

Die Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung sind dementsprechen halb so hoch. Allerdings gibt es hier auch eine höhere Möglichkeit des Dazuverdienstes.
Die maximal erlaubte Höhe liegt momentan bei mindestens 15.130 € im Jahr.

Quelle: https://www.deutsche-handwerks-zeitung.de/erwerbsminderungsrente-wer-sie-bekommt/150/27254/216120

Warum wird eigentlich jemand „erwerbsunfähig“?

Ich hab das mal aus erster Quelle, der Deutschen Rentenversicherung Bund.

Psychische Erkrankungen. 42,7% Das ist fast die Hälfte!

Fast die Hälfte aller Fälle von Erwerbsminderung sind wegen der Psyche!

Wieviele werden eigentlich erwerbsgemindert?

Zwischen 170.000 und 200.000 Menschen jedes Jahr.

Am 1. Juli 2019 waren es genau 1 766 636 Menschen, die eine Rente wegen Erwerbsminderung bezogen.
Mittlerweile dürften wir bei knapp 2 Millionen liegen.

Das sind die, die Leistungen tatsächlich bekommen, da die Anträge bewilligt wurden.

Allerdings werden ca. 40% aller Anträge abgelehnt. Das bedeutet, die tatsächliche Anzahl derer, die aus gesundheitlichen Gründen nimmer arbeiten können, liegt weitaus höher.

Ganz genau kann man das natürlich nicht sagen, da manche Versicherten mehrere Anträge stellen müssen, bis sie endlich Leistungen bekommen.
Wichtig zu erwähnen ist, dass viele Antragsteller statt einer Rente eine Reha zugestanden wird. Diese sollte zwingend angetreten werden, da Du ja verpflichtet bist, alles Dir mögliche zu tun, was Einer Gesundung hilft.

Laut dieser Quelle waren es 2018 sogar 49%, die abgelehnt wurden. Insgesamt wurden 2018 342.200 Anträge gestellt.

Die Rente wegen Erwerbsminderung wird übrigens solange gezahlt, bis Du in Altersrente gehen kannst.
Die, bedingt durch Deine Erwerbsminderung natürlich weitaus niedriger ausfällt als geplant.

Also, rekapitulieren wir einmal.
Krankengeld haben wir drüber gesprochen.
Rente wegen Erwerbsminderung vom Staat haben wir besprochen.

Berufsunfähigkeit

Was bleibt? Die (private) Berufsunfähigkeit Versicherung.

Mythen, Halbwahrheiten, Unwahrheiten, Vermutungen.

Damit möchte ich an dieser Stelle einmal aufräumen.

„Ich arbeite im Büro, mir kann ja nichts passieren, ich sitze ja die ganze Zeit am Schreibtisch.“

Fehler. Böööööser Fehler.
Denk an die Tabelle von vorhin. Was waren da häufigsten Ursachen?
Ich zeig Dir mal noch ne andere Grafik, bezogen auf Berufsunfähigkeitsversicherungen.

Die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit

30 % aller BU-Leistungen fließen aufgrund psychischer und nervlicher Erkrankungen, nochmal knapp 21% wegen Erkrankungen des SKelett- und Bewegungsapparates (Bandscheiben, Rücken, usw.).
Und das hat man meistens wo? Im Büro! Am Schreibtisch! Auf dem Bürosessel.

Berufsunfähigkeit? Ich doch nicht. Und wenn, dann doch erst im Alter. Und außerdem, wenn dann kommt der Staat für mich auf

Richtig ist, dass mit steigendem Alter das Risiko höher wird.
Aber nur im Alter?
Schau mal hier die Statistik:

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund 2017, Rentenzugang 2016

Jeder vierte scheidet unfreiwillig frühzeitig aus dem Erwerbsleben.

Die Folgen und Konsequenzen daraus sind mannigfaltig und alles andere als schön und angenehm.
Dann ist nichts mehr mit Urlaub, Dauerkarte fürs Stadion, Urlaub, Festivals, etc. etc.
Du erinnerst Dich an die durchschnittliche EM-Rente? Wenn nein, nochmal kurz zur Erinnerung: etwa 800 €. Im Durchschnitt. Hängt von Deinem Bruttogehalt ab!
Willst Du das wirklich? Ich kann’s mir nicht vorstellen!

Die Versicherer zahlen doch eh nicht, die reden sich da immer raus.

Die Versicherer zahlen dann, wenn Du

  • Bedingungsgemäß berufsunfähig bist
  • Deine Beiträge bezahlt hast
  • Du bei der Gesundheitsprüfung die Wahrheit gesagt hast und nichts verheimlicht oder verharmlost hast.

Wenn diese drei Bedingungen erfüllt sind, dann zahlt der seriöse Versicherer die Berufsunfähigkeitsrente.

Und genau deswegen ist es wichtig, dass Du Dir den Versicherer sehr gut aussuchst, bei dem Du diese so so wichtige Versicherung abschließt!

Wie finde ich den richtigen Versicherer für Berufsunfähigkeit?

  • die Finanzkraft, damit sichergestellt ist, dass Du Dein Geld auch bekommst und dass der Versicherer nicht pleite geht
  • das Bedingungswerk. So ist z.B. der Ausschluss der abstrakten Verweisbarkeit wichtig. Heißt, der Versicherer kann Dich nicht abstrakt auf nen anderen Job verweisen und die Rente verweigern.
    Normal hingegen ist die konkrete Verweisbarkeit, das heißt, wenn Du konkret einen Beruf ausübst, der Dir so ziemlich das gleiche Gehalt einbringt und der dem Ansehen nach Deinem alten Job gleichgestellt ist, dann kann und wird der Versicherer die Zahlung verweigern. Macht ja aber auch Sinn, Du brauchst sie ja nicht. Stimmt’s?

Definitionen Berufsunfähigkeit

  • Wie ist die Berufsunfähigkeit definiert? Ganz wichtig, da gibt es oftmals große Unterschiede.
    Die Standarddefinition (https://dejure.org/gesetze/VVG/172.html) lautet:

  • „Berufsunfähig ist, wer seinen zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war, infolge von Krankheit, Körperverletzung oder mehr als altersentsprechendem Kräfteverfall ganz oder teilweise voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann“
    Auf Dauer bedeutet normalerweise 6 Monate lang. Das ist die „Wartezeit“, die Du berufsunfähig sein musst. Diese Dauer kann variieren. Bitte achte im Bedingungswerk darauf, dass da nichts anderes steht.
    Gute Versicherer konkretisieren diese Definition auf folgendes:

    „Eine Berufsunfähigkeit liegt vor, wenn der Versicherte infolge Krankheit oder Unfall seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kann. Nach einem Zeitraum von mindestens sechs Monaten kann von einer dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.“

Tipps für die BU-Versicherung

  • Die Gesundheitsfragen müssen fair und kundenfreundlich formuliert sein. Keine Fußangeln und Fallstricke!
    Beantworte bitte alle Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß.
    Eine Lüge kommt immer raus. Dann ist der Ärger für alle groß und vor allem Du bist frustriert, weil Du unnötig die Beiträge gezahlt hast und keine Leistungen bekommst. (Der Versicherer sieht das als arglistige Täuschung und ficht den Vertrag an.)
  • Gute Inspirationen und Quellen für solide Versicherer und deren Tarife sind die Ratings von Morgen und Morgen
  • Dein Berater sollte fair sein und an Dich und nicht an sich denken.
  • Wie lange kannst Du Dich versichern? Bis 55? 60? 67?
  • Wie stabil sind die Beiträge? Kann der Tarifbeitrag geändert werden?
  • Der Preis ist auch nicht unwichtig, aber sollte auf gar keinen Fall das wichtigste Entscheidungskriterium für den Abschluss sein!
  • Wie ist die Leistungsquote? Kommt es oft zu Ablehnungen oder Gerichtsverfahren über die Leistungen?

Weitere Tipps zur Berufsunfähigkeit

Der Abschluss einer Versicherung gegen Berufsunfähigkeit ist nichts, was man hoppla hopp bzw. zwischen Tür und Angel entscheiden sollte.
Diese Entscheidung triffst Du normalerweise EINMAL im Leben.
Du heiratest ja normalerweise auch nicht den erstbesten Menschen, der Dir die wenigsten Kosten verursacht und den Du eigentlich „ganz nett findest“, obwohl Du ihn nur aus dem Internet kennst.

Gerade bei diesem Produkt ist die Beratung durch einen FAIREN Berater Deines Vertrauens in meinen Augen unabdingbar.
Wäre ich kein Experte auf diesem Gebiet, würde ich es mir nicht zutrauen, die passende Rentenhöhe, den richtigen Tarif, die richtige Laufzeit (okay, die schon) für mich auszuwählen.

Wenn Du Fragen zu diesem unglaublich komplexen und faszinierenden Gebiet „Absicherung der Arbeitskraft“ hast, bitte kontaktiere mich oder den Berater Deines Vertrauens.

An dieser Stelle möchte ich noch auf einen sehr wichtigen Punkt eingehen.

Du hast mehrfach gesehen, dass die Psyche und die Nerven die häufigste Ursache für Erwerbsminderung und Berufsunfähigkeit sind

Von daher nimmt die Frage nach Untersuchung und Behandlung der Psyche eine exponierte Stellung ein.
Solltest Du in den letzten 5 Jahren an einer psychischen Krankheit leiden oder gelitten haben, ist der Abschluss dieser Versicherung in der Regel nicht möglich. Es gibt aber auch da Ausnahmesituationen, Dein Berater weiß normalerweise Bescheid. Sprich das bitte offensiv an, das ist wichtig!

Aber es gibt gute und sinnvolle Alternativen, über die Dein Berater Dich ebenfalls gerne informiert.

Ich denke und hoffe, Du hast gesehen, wie wichtig die einzelnen Komponenten und Zusammenhänge sind.

Ich weiß, es ist viel, ich weiß, es ist teilweise kompliziert und eventuell auch öde.

Gelddruckmaschine

Aber es ist wichtig. Es geht um Deine Gelddruckmaschine.

Denn, solange Du keine Gelddruckmaschine im Keller oder so stehen hast, ist Deine Arbeitskraft Deine Gelddruckmaschine. Und was würdest Du besser versichern und umsorgen als Deine Gelddruckmaschine?

Zum Abschluss mach mal folgendes:
Nimm Dein Netto-Einkommen, multipliziere das mit 12.
Diese Zahl multiplizierst Du mit der Anzahl der Jahre, die es noch dauert, bis du 67 wirst.
Hast Du’s?
Das ist der Wert Deiner Arbeitskraft, Deiner Gelddruckmaschine.

Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit sind zu teuer?

Ich höre und lese auch oft, dass Berufsunfähigkeitsversicherungen zu teuer sind.
Dazu folgendes Beispiel: Du zahlst im Monat zwischen 20 und 100 € für Deine Autoversicherung, Vollkasko eventuell. Was hat Dein Auto gekostet?

Die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit bewegt sich preislich auf etwa dem gleichen Niveau (ist von vielen Variablen abhängig).
Deine Arbeitskraft bzw. Deine Gelddruckmaschine sollte Dir doch mindestens soviel wert sein wie Dein Auto.
Was passiert, wenn diese Maschine ausfällt, hast Du ja gelesen.
Nochmals die Frage: Möchtest Du das wirklich?


Ich wünsche Dir alles gute, pass auf Dich auf und bleib gesund!


Dein

Alexander Brünisholz

Einen Termin kannst du direkt unter termine.bruenisholz.com buchen

Hier kannst du Kontakt mit mir aufnehmen, wenn Du irgendwelche Fragen hast:

Kontakt – Alex erklaert Finanzen (alex-erklaert-finanzen.de)

Gerne freue ich mich über jedes Feedback von Dir.

Pass auf Dich auf und bleib gesund!

Dein Alex

Impressum: Impressum und Datenschutz: – Alex erklaert Finanzen (alex-erklaert-finanzen.de)

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